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Lexikon

Glossar von A bis Z

80 Begriffe aus Vergaberecht und Handwerk, jeweils in einem Satz und ausführlich erklärt.

Stapel von Nachschlagewerken mit Lesebrille
Foto: unbekannt / rawpixel (CC0)

Im Glossar stehen 80 Begriffe, die in Bekanntmachungen und Vergabeunterlagen vorkommen, kurz und verständlich erklärt. Von Angebotsfrist und Bindefrist über CPV-Code, Eignungsnachweis und Losvergabe bis Zuschlag und Zuschlagskriterien: Jeder Begriff hat eine Kurzdefinition, eine ausführlichere Erläuterung und Verweise auf verwandte Begriffe. Das Glossar ist alphabetisch geordnet und verlinkt auf passende Ratgeber und Rechner. Begriffe aus dem Handwerk, etwa Gewerk oder Gewährleistung, sind ebenfalls enthalten. So lässt sich beim Lesen einer Ausschreibung schnell klären, was ein Fachwort bedeutet und was es für das eigene Angebot heißt.

A

Abnahme
Die Abnahme erkennt die Werkleistung als im Wesentlichen vertragsgemäß an und löst Gewährleistungsfrist, Schlusszahlung und Gefahrübergang aus.
Abschlagsrechnung
Mit einer Abschlagsrechnung fordert der Auftragnehmer Zahlung für bereits erbrachte Teilleistungen, bevor das Bauwerk fertig ist.
Angebotsausschluss
Ein Angebot wird ausgeschlossen, wenn es formale Mängel hat, Nachweise fehlen oder ein gesetzlicher Ausschlussgrund vorliegt.
Angebotsfrist
Die Angebotsfrist ist der Termin, bis zu dem Angebote bei der Vergabestelle eingegangen sein müssen; verspätete Angebote werden ausgeschlossen.
Angebotskalkulation
Die Angebotskalkulation ermittelt aus Kosten, Zuschlägen und Gewinn den Preis, den ein Betrieb im Angebot nennt.
Angebotswertung
Die Angebotswertung prüft die Angebote in mehreren Stufen und ermittelt das wirtschaftlichste, das den Zuschlag erhält.
Aufhebung der Ausschreibung
Die Vergabestelle darf eine Ausschreibung nur aus wichtigen Gründen aufheben, etwa wenn kein annehmbares Angebot eingegangen ist.
Aufmaß
Das Aufmaß ist die Ermittlung der tatsächlich ausgeführten Mengen und Grundlage der Abrechnung nach Einheitspreisen.
Ausschreibung
Eine Ausschreibung ist die öffentliche Aufforderung eines Auftraggebers an Unternehmen, Angebote für eine genau beschriebene Leistung abzugeben.

B

Bautagebuch
Das Bautagebuch hält täglich Personal, Wetter, Arbeitsstand und besondere Vorkommnisse fest und dient als Beweismittel.
Bekanntmachung
Die Bekanntmachung macht eine geplante Vergabe öffentlich und enthält die wichtigsten Angaben zu Leistung, Fristen und Bedingungen.
Beschränkte Ausschreibung
Bei der beschränkten Ausschreibung fordert die Vergabestelle nur ausgewählte Unternehmen zur Angebotsabgabe auf.
Betriebshaftpflicht
Die Betriebshaftpflichtversicherung deckt Schäden, die ein Betrieb bei der Arbeit Dritten zufügt, und wird in Ausschreibungen häufig verlangt.
Bieter
Bieter ist jedes Unternehmen, das in einem Vergabeverfahren ein Angebot abgibt oder abgegeben hat.
Bieterfrage
Mit einer Bieterfrage klärt ein Unternehmen vor Ablauf der Angebotsfrist Unklarheiten in den Vergabeunterlagen bei der Vergabestelle.
Bietergemeinschaft
Eine Bietergemeinschaft ist der Zusammenschluss mehrerer Unternehmen, die gemeinsam ein Angebot abgeben und den Auftrag zusammen ausführen.
Bindefrist
Die Bindefrist ist der Zeitraum, in dem ein Bieter an sein Angebot gebunden bleibt und die Vergabestelle den Zuschlag erteilen kann.

C

CPV-Code
Der CPV-Code ist eine EU-weit einheitliche Kennzahl, mit der Ausschreibungen nach Leistungsart eingeordnet werden.

D

Direktvergabe
Bei der Direktvergabe beauftragt die Vergabestelle ein Unternehmen ohne förmliches Verfahren, zulässig nur bei geringem Auftragswert oder besonderen Gründen.

E

Eigenerklärung
Mit einer Eigenerklärung versichert ein Bieter selbst, dass er Eignungsanforderungen erfüllt und keine Ausschlussgründe vorliegen.
Eignungsnachweis
Ein Eignungsnachweis belegt gegenüber der Vergabestelle, dass ein Unternehmen fachkundig, leistungsfähig und zuverlässig ist.
Einheitspreis
Der Einheitspreis ist der Preis für eine Leistungseinheit, etwa einen Quadratmeter, und wird mit der ausgeführten Menge multipliziert.
Eröffnungstermin
Zum Eröffnungstermin öffnet die Vergabestelle die eingegangenen Angebote und hält den Inhalt in einer Niederschrift fest.
EU-Schwellenwert
Der EU-Schwellenwert bestimmt, ab welchem geschätzten Auftragswert eine Vergabe europaweit ausgeschrieben werden muss.
e-Vergabe
Bei der e-Vergabe laufen Bekanntmachung, Abruf der Unterlagen, Kommunikation und Angebotsabgabe elektronisch über eine Vergabeplattform.

F

Fachlos
Ein Fachlos fasst Leistungen eines Gewerks zusammen und wird getrennt vom übrigen Bauvorhaben ausgeschrieben.
Freihändige Vergabe
Die freihändige Vergabe ist die frühere Bezeichnung für Aufträge ohne öffentliche Bekanntmachung, heute meist Verhandlungsvergabe genannt.

G

Generalunternehmer
Ein Generalunternehmer übernimmt ein Bauvorhaben im Ganzen und vergibt Teile der Arbeiten an Nachunternehmer.
Gewährleistung
Die Gewährleistung verpflichtet den Auftragnehmer, Mängel an seiner Leistung auch nach der Abnahme für eine bestimmte Zeit zu beseitigen.
Gewerbeanmeldung
Die Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt ist Pflicht für jeden, der ein Gewerbe beginnt, und gilt auch für Handwerksbetriebe.
Gewerk
Ein Gewerk ist ein abgegrenzter Leistungsbereich am Bau, der von einem Handwerk oder einer Fachrichtung ausgeführt wird.
Gleichbehandlungsgrundsatz
Alle Bieter müssen im Vergabeverfahren gleich behandelt werden; niemand darf bevorzugt oder benachteiligt werden.
GWB
Das GWB enthält in seinem vierten Teil das Vergaberecht oberhalb der EU-Schwellenwerte und regelt auch das Nachprüfungsverfahren.

H

Handwerkskammer
Die Handwerkskammer ist die Selbstverwaltung des regionalen Handwerks; sie führt die Handwerksrolle, berät Betriebe und regelt die Ausbildung.
Handwerksrolle
Die Handwerksrolle ist das Verzeichnis der Handwerkskammer, in das Betriebe zulassungspflichtiger Handwerke eingetragen werden müssen.

I

Innung
Die Innung ist der freiwillige Zusammenschluss von Handwerksbetrieben eines Gewerks in einer Region.

K

Kostenvoranschlag
Ein Kostenvoranschlag ist eine fachkundige Schätzung der voraussichtlichen Kosten und im Zweifel nicht verbindlich, es sei denn, er wird als Festpreis zugesagt.

L

Leistungsverzeichnis
Das Leistungsverzeichnis beschreibt die geforderte Leistung in Positionen mit Mengen und ist Grundlage der Preiskalkulation.
Los
Ein Los ist ein abgegrenzter Teil eines Gesamtauftrags, auf den Bieter getrennt ein Angebot abgeben können.
Losaufteilung
Die Losaufteilung ist die Pflicht der Vergabestelle, Aufträge in Teil- und Fachlose zu gliedern, um mittelständische Betriebe zu beteiligen.

M

Mängelanspruch
Mängelansprüche geben dem Auftraggeber Rechte, wenn die Leistung bei Abnahme nicht der vertraglich vereinbarten Beschaffenheit entspricht.
Meisterpflicht
Die Meisterpflicht verlangt für bestimmte Handwerke den Meisterbrief oder eine gleichwertige Qualifikation, um selbstständig einen Betrieb zu führen.
Mindestlohn
Der gesetzliche Mindestlohn ist die Untergrenze des Stundenlohns, die Betriebe ihren Beschäftigten zahlen müssen, auch bei öffentlichen Aufträgen.

N

Nachforderung
Fehlende Erklärungen oder Nachweise im Angebot kann die Vergabestelle unter bestimmten Voraussetzungen nachfordern, statt das Angebot sofort auszuschließen.
Nachtrag
Ein Nachtrag ist die Vergütungsanpassung für geänderte oder zusätzliche Leistungen, die nicht im ursprünglichen Vertrag enthalten waren.
Nachunternehmer
Ein Nachunternehmer führt im Auftrag des Hauptauftragnehmers einen Teil der vertraglich geschuldeten Leistung aus.
Nebenangebot
Ein Nebenangebot ist ein Angebot, das von den Vorgaben der Vergabeunterlagen abweicht und nur gewertet wird, wenn die Vergabestelle es zugelassen hat.
NUTS-Code
Der NUTS-Code ist eine europäische Systematik, die Regionen für statistische und vergaberechtliche Zwecke eindeutig bezeichnet.

O

Öffentlicher Auftraggeber
Öffentliche Auftraggeber sind Bund, Länder, Kommunen und andere Einrichtungen, die bei der Beschaffung das Vergaberecht anwenden müssen.
Offenes Verfahren
Im offenen Verfahren kann jedes interessierte Unternehmen ein Angebot abgeben, nachdem die Ausschreibung öffentlich bekannt gemacht wurde.

P

Pauschalvertrag
Beim Pauschalvertrag wird die Leistung für einen festen Gesamtpreis vereinbart, unabhängig von den tatsächlich ausgeführten Mengen.
Präqualifikation
Die Präqualifikation bestätigt einmalig die Eignung eines Unternehmens und ersetzt viele einzelne Nachweise bei öffentlichen Ausschreibungen.
Preisgleitklausel
Eine Preisgleitklausel passt die Vergütung an, wenn sich Material- oder Lohnkosten während der Vertragslaufzeit stark ändern.

R

Rahmenvertrag
Ein Rahmenvertrag legt Bedingungen für künftige Einzelaufträge fest, ohne dass bereits ein bestimmter Abruf feststeht.
Rüge
Mit einer Rüge beanstandet ein Bieter einen Vergabeverstoß gegenüber der Vergabestelle, bevor er ein Nachprüfungsverfahren einleiten kann.

S

Schlussrechnung
Die Schlussrechnung rechnet nach Abschluss der Arbeiten die gesamte Leistung ab, unter Anrechnung der bereits gezahlten Abschläge.
Sicherheitsleistung
Eine Sicherheitsleistung sichert den Auftraggeber gegen Ausfälle bei Vertragserfüllung und Mängelansprüchen ab, meist durch Bürgschaft oder Einbehalt.
Stundenlohnvertrag
Beim Stundenlohnvertrag wird die Arbeitszeit nach dem vereinbarten Stundensatz abgerechnet, nicht nach Menge oder Pauschale.
Stundenverrechnungssatz
Der Stundenverrechnungssatz ist der Preis, den ein Betrieb für eine Arbeitsstunde berechnet, einschließlich aller Kosten, Wagnis und Gewinn.
Submission
Die Submission ist der Termin, an dem die Vergabestelle die eingegangenen Angebote öffnet und verliest.

T

Tariftreue
Tariftreue verpflichtet Auftragnehmer bei öffentlichen Aufträgen, ihren Beschäftigten mindestens die vorgeschriebenen Tariflöhne oder Entgelte zu zahlen.
TED
TED ist das EU-Portal Tenders Electronic Daily, in dem europaweite Ausschreibungen veröffentlicht werden.
Teilnahmewettbewerb
Der Teilnahmewettbewerb ist die erste Stufe eines zweistufigen Verfahrens, in der Interessenten ihre Eignung nachweisen, bevor sie ein Angebot abgeben dürfen.

U

Unbedenklichkeitsbescheinigung
Unbedenklichkeitsbescheinigungen bestätigen, dass ein Betrieb Steuern, Sozialabgaben und Beiträge ordnungsgemäß zahlt.
UVgO
Die UVgO ist die Verfahrensordnung für Liefer- und Dienstleistungen unterhalb der EU-Schwellenwerte und gilt, wenn Bund oder Land sie einführen.

V

Vergabeakte
Die Vergabeakte dokumentiert jeden wesentlichen Schritt eines Vergabeverfahrens und macht die Entscheidungen nachvollziehbar.
Vergabekammer
Die Vergabekammer prüft auf Antrag, ob eine Vergabe oberhalb der EU-Schwellenwerte rechtmäßig war, und kann das Verfahren korrigieren.
Vergabeportal
Ein Vergabeportal bündelt Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber und ermöglicht den Abruf der Unterlagen sowie die elektronische Angebotsabgabe.
Vergabestelle
Die Vergabestelle führt für den öffentlichen Auftraggeber das Vergabeverfahren durch und ist Ansprechpartner für Bieter.
Vergabeunterlagen
Die Vergabeunterlagen umfassen alles, was Bieter für ein Angebot brauchen: Aufforderung, Leistungsbeschreibung, Vertragsbedingungen und Formulare.
Verhandlungsvergabe
Bei der Verhandlungsvergabe darf die Vergabestelle mit Bietern über Inhalt und Preis der Angebote verhandeln.
Vertragserfüllungsbürgschaft
Die Vertragserfüllungsbürgschaft sichert den Auftraggeber ab, falls der Auftragnehmer seine Leistung nicht vertragsgemäß erbringt.
VOB/A
Die VOB/A regelt, wie öffentliche Auftraggeber Bauleistungen vergeben müssen: Verfahrensarten, Fristen, Eignung und Zuschlag.
VOB/B
Die VOB/B enthält die allgemeinen Vertragsbedingungen für Bauleistungen und gilt nur, wenn sie ausdrücklich vereinbart wurde.

W

Werkvertrag
Beim Werkvertrag schuldet der Unternehmer ein bestimmtes Ergebnis, etwa ein fertiges Bauwerk, und der Besteller die vereinbarte Vergütung.
Wettbewerbsregister
Das Wettbewerbsregister beim Bundeskartellamt erfasst Unternehmen mit bestimmten Wirtschaftsdelikten, die von Vergabeverfahren auszuschließen sein können.
Wirtschaftlichstes Angebot
Das wirtschaftlichste Angebot erhält den Zuschlag; es bestimmt sich nach dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis anhand der bekannt gemachten Kriterien.

Z

Zulassungsfreies Handwerk
In zulassungsfreien Handwerken kann ein Betrieb ohne Meisterbrief gegründet werden, er muss aber bei der Handwerkskammer gemeldet sein.
Zuschlag
Der Zuschlag ist die Annahme eines Angebots durch die Vergabestelle und begründet den Vertrag mit dem Bieter.

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§ 35a EStG
§ 35a EStG ermöglicht Privatpersonen, einen Teil der Arbeitskosten für Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer abzuziehen.